Spurensuche in den Straßen der Stadt

03 Spurensuche

Expertengruppen bilden sich im Verein Chai

Es war ein sehr verregneter Spätnachmittag im Oktober – aber alle waren gekommen: Schülerinnen und Schüler des Schlossgymnasiums sowie die Mitglieder der Flüchtlingsjugendgruppe versammelten sich dicht gedrängt in den engen Räumlichkeiten von Chai im Kirchheimer Brückenhaus.

Zunächst wurden die Expertengruppen gebildet: Alle Teilnehmenden hatten sich zu Hause mit einem Ort der Asylgeschichte beschäftigt und waren nun als Expertin oder Experte in der Gruppe für das Gebäude oder Denkmal zuständig. Die meisten hatten festgestellt, dass man – anders als zu anderen Orten der Stadtgeschichte – im Internet oder an den Gebäuden selbst keinen Hinweis auf die ehemalige Unterkunft oder den ersten Treffpunkt des Arbeitskreises Asyl findet. So hatten sich die Rechercheure vor allem Fragen an die Orte aufgeschrieben, die sie den anderen beim Rundgang präsentieren wollten.

Eine Schülerin meinte, dass sie der Rundgang an Orte führe, die sie noch nie gesehen habe, obwohl Kirchheim doch eine Kleinstadt und sie hier geboren sei. Das sei wie eine alternative Stadtführung zu lauter ungewöhnlichen Plätzen. Nicht-Orte sind die Stationen der Flüchtlingsgeschichte der Stadt also weitgehend, aber das gilt nicht für alle Gebäude unseres Rundgangs. Das Rathaus kannten natürlich alle, allerdings weniger als Sitz der Ausländerbehörde. Hier haben die jungen Flüchtlinge erzählt, wie oft sie dort sind, wenn sie ihren Ausweis verlängern lassen müssen oder versuchen, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen.

Vor der „Bastion“

Natürlich sind wir auch zur aktuellen Flüchtlingsunterkunft gegangen, dem gegenwärtigen Wohnort von einigen der Teilnehmer des Rundgangs. Während manche einfach ein wenig von der Unterkunft erzählten, davon, mit wem sie ein Zimmer teilen oder dass es niemals ganz still ist mit so vielen Menschen auf so wenig Raum (4,5 qm pro Person), führten andere ihre Gruppe direkt in ihr Zimmer und stellten die Mitbewohner vor.

Schild am Flüchtlingsbaum

Schild am Flüchtlingsbaum

Seit einiger Zeit gibt es auch einen Gedenkort zum Thema Asyl in Kirchheim, den wir ebenfalls aufgesucht haben: Der Flüchtlingsbaum am Fuß des Veranstaltungsortes „Bastion“, den der Arbeitskreis Asyl 2008 errichtet hat, erinnert an die Flüchtlinge in der Stadt.Obwohl wir alle sehr nass geworden sind, haben wir viele neue Eindrücke mitgenommen, eine neue Sicht auf die Stadt und die Menschen, die hier Zuflucht suchen.

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